Die Kraft der Sonne

Ohne die Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde. Nicht umsonst ist die Menschheit seit jeher fasziniert von ihr. In vielen Religionen oder alten Geschichten kommen Sonnengöttinnen oder Götter des Lichtes vor, beispielsweise Helios bei den Griech*innen oder Re im Alten Ägypten.

 

Sonnenstrahlen sind nicht nur für die Natur von überlebenswichtiger Bedeutung, sondern können auch für die menschliche Zivilisation optimal genützt werden. Denken wir an die Sonnenuhr oder den frühen Solarkocher. Sonnenstrahlen bündeln, Licht einfangen, das hat die Menschheit schon immer versucht.

 

Heute sind wir an einem Punkt, an dem die Solartechnologie weit fortgeschritten und die Nachfrage weltweit sehr gross ist. Viele Länder setzen auf diese Technologie. Auch in der Schweiz geht es vorwärts, aber sehr langsam. Hier wird die Diskussion auf die Spitze getrieben und in der Polemik über alpine Solaranlagen in Naturschutzgebieten ertränkt. Dabei war die Schweiz einmal Vorreiterin, hatte in den 80er und 90er Jahren nationale Förderprogramme für Solarpanels, deren Entwicklung und Produktion. Leider ist die Schweizer Politik damals nicht standhaft geblieben, hat die Programme abgeschafft und stattdessen auf fossile Energiequellen gesetzt.

 

Im Parlament hat sich die Fossil- und Immobilienlobby durchgesetzt. Zuerst sollte bei Dächern von 100 m2 eine Solarpflicht gesetzlich verankert werden, dann wurde diese Zahl auf 300 m2 erhöht – doch wer hat schon so ein grosses Dach? Bei der Revision des Energie- und Stromversorgungsgesetzes hat der Ständerat kürzlich die vorgesehene Pflicht gar ganz gestrichen. Federführend in der Verhinderung einer Solarpflicht war die SVP, die sich sowieso gegen jegliche Lösungen für die Energiewende wehrt. Für die FDP ist eine Solarpflicht nicht wirtschaftsliberal, stattdessen möchte sie auf Eigenverantwortung und Freiwilligkeit setzen. Warum hat sie sich dann nie gegen die Parkplatzerstellungspflicht gewehrt?

 

Diese Blockadepolitik von SVP und FDP ist unverständlich. Gerade beispielsweise Landwirte könnten mit der Installation von Solaranlagen auch Energiewirte werden und sich so unabhängig von Benzinpreisen und fossilen Energien machen. Denn das Potential unserer Dächer ist riesig: Realistischerweise könnten wir darauf 50 TWh Solarenergie produzieren! Wenn wir alle guten Dächer in der Schweiz mit Solarpanels bestücken, würde das schon sehr weit reichen, um in Zukunft unseren gestiegenen Strombedarf von rund 80 TWh zu decken. Weitere 15 TWh können wir mit Solaranlagen an Fassaden produzieren. Hier ist die Schweiz im Hintertreffen.

 

Als ich vor 11 Jahren auf einem alten und sehr hässlichen Garagendach meine Solaranlage gebaut habe, gab es Einsprachen, sie sei zu wenig schön. Ich musste die stehenden Panels noch weiter runterlegen. Schöner wurde sie meiner Meinung nach dadurch nicht, aber weniger effizient. Heute gibt es Fassadenpanels, die nicht nur Strom produzieren, sondern auch noch gut aussehen. Am Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique (CSEM) haben sie aus Panels sogar Wandbilder entwickelt.

 

Was aber am wichtigsten ist: Solarenergie ist klimafreundlich, günstig und unendlich verfügbar. Sie ist überall erhältlich und macht uns unabhängig von fossilen Energien und somit von autokratischen Regimes. Deshalb braucht es jetzt eine grosse Solar-Offensive, die wir mit unserer grünen Solar-Initiative anstossen! Gemeinsam können wir die Energiewende schaffen. Die Zukunft ist erneuerbar, bringen wir unsere Volkswirtschaft endlich klar auf diesen Weg!

(Dieser Artikel ist in ähnlicher Form als Kolumne im Sonntagsblick erschienen.)